Forum Leserbriefe


Der Manager und der Ingenieur

Ein Mann in einem Heißluftballon bemerkt, daß er die Orientierung verloren hat. Er reduziert seine Höhe und macht schließlich eine Person am Boden aus. Er läßt den Ballon noch weiter sinken und ruft: "Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich versprach meinem Freund, ihn vor einer halben Stunde zu treffen, aber ich weiß nicht, wo ich mich befinde."
Der Mann am Boden sagt: "Ja, Sie befinden sich in einem Heißluftballon. Ihre Position ist zwischen 40 und 42 Grad nördlicher Breite und zwischen 58 und 60 Grad westlicher Länge."
"Sie müßen Ingenieur sein", sagt der Ballonfahrer.
"Bin ich", antwortet der Mann. "Wie kommen Sie darauf?"
"Sehen Sie", sagt der Ballonfahrer, "alles, was Sie mir gesagt haben, ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll - ich weiß immer noch nicht, wo ich bin."
Der Ingenieur sagt hierauf: "Sie müßen ein Manager sein."
"Bin ich", antwortet der Ballonfahrer, "Wie kommen Sie darauf?"
"Sehen Sie", sagt der Ingenieur, "Sie wißen nicht, wo Sie sind oder wohin Sie gehen. Sie haben ein Versprechen gegeben, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können, und Sie erwarten, daß ich Ihnen dieses Problem löse. Tatsache ist: Sie befinden sich in exakt derselben Position, in der Sie waren, bevor wir uns getroffen haben, aber irgendwie ist jetzt alles meine Schuld."


Karl-Friedrich von Below
Dorfstr. 34
24247 Mielkendorf

Lieber Herr Behrmann,

Sie haben mir zu meinem 83. Geburtstag und damit auch zu meinem neuen Lebensjahr gratuliert und mir alles Gute gewünscht. Dafür und auch für den 10 €-Flora-Cheque danke ich Ihnen sehr herzlich.

Ein nachdenkliches Gedicht von Herrn Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1930 lege ich Ihnen zur Erbauung bei.

Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr

Karl-Friedrich von Below


Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müßen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Maßen
das mal nimmer bieten laßen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bißchen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"





Mein 1. Semester - Oktober 1947

Bevor man an der Bauschule aufgenommen werden konnte, musste man eine Prüfung ablegen. Meine Prüfung war im April 1947. Ich hatte mich auf diese Prüfung gut vorbereitet. Mir fehlten aber noch einige Punkte, wie z.B. Torfstechen im Rehburger Moor. Dieses war nötig, um Torf zum Heizen für die Bauschule zu stechen. Außerdem war ich noch in der Lehre und hatte noch keinen Gesellenabschluss. Diesen konnte ich erst im September d. Jahres machen. Am 17. September 1947 bestand ich meine Gesellenprüfung. Die Nachricht von der bestandenen Aufnahmeprüfung für die Bauschule besagte, dass ich zum Sommersemester 1948 beginnen kann. Mein Ausbildungspolier und mein Firmenchef erklärten mir, dass ich als Geselle weiterhin in der Firma arbeiten könnte.
Am 10. Oktober 1947 kamen Nachmittags gegen 15.00 Uhr mein Chef und der Herr Direktor der Bauschule zu meinem Polier zu einer Besprechung. Aus dieser Besprechung ergab sich folgendes:
Mein Chef hatte den Auftrag, die Zimmereiarbeiten für das auf dem Schlossplatz in Nienburg aufgebaute Lehmbau Lehrhaus auszuführen. Man hatte sich geeinigt, am Freitag der gleichen Woche den Dachstuhl zu richten. Dieses Verlangen war ein großer Wunsch vom Direktor der Bauschule. Mein Polier sagte dem Baudirektor die Einhaltung des Termins fest zu, unter der Bedingung, dass ein Zimmermann (ich) aus seiner Kolonne, der schon die Aufnahmeprüfung bestanden hat, noch in das Herbstsemester 1947 aufgenommen werden könnte. Der Direktor hat mich am Samstag, am Tag nach dem Richten zu 8.00 Uhr einbestellt. Er erklärte mir, dass in dem Semester 1 B (denn es waren 3 erste Semester) ein Kommilitone sein Studium nicht angetreten hat. Unter folgenden Voraussetzungen könnte ich diesen Platz einnehmen: Ich müsste bis zum 1. Oktober sämtliche schriftlichen Arbeiten nachholen, sämtliche Zeichnungen beim Semesterleiter vorlegen.
Der Semesterleiter hätte dann am 1. Oktober zu entscheiden, ob ich bleiben kann oder nicht. Ich sollte mich dann am kommenden Montag beim Semesterleiter melden.
Daraufhin erklärte ich dem Direktor, es wäre jetzt kurz nach 8.00 Uhr am Samstag und ich möchte gleich an dem Unterricht des Semesters teilnehmen und nicht bis Montag warten. Denn das, was ich heute schon lernen kann, brauche ich nicht nach zu holen. Am 1. Oktober überbrachte mir der Semesterleiter die freudige Nachricht, dass ich weiter studieren kann!!!
Ich ging zu meinem Lehrpolier, der dieses alles eingefädelt hatte und bedankte mich dafür recht herzlich bei ihm. Auch so kann man ein Semester früher beginnen.

Heinz Levetzow


Heinz Levetzow, Delmenhorst Januar 2010
Tennisspielen !!!!

Es war im Herbst 1948, das dritte Semester hatte gerade begonnen. Wir hatten einen neuen Studienfreund in unserem Semester, der aus Hannover kam. Im Laufe der ersten gemeinsamen Gespräche erfuhren wir, dass er ein guter Tennisspieler in Hannover war. Er fragte uns, ob wir ihm nicht behilflich sein könnten, Mitglied in einem Nienburger Tennisverein zu werden. Ich gab ihm die Adresse eines Mitglieds des Vorsitzenden, der Rechtsanwalt war. Nachdem er dort vorgesprochen hatte und einige Tage auf eine Antwort gewartet hatte, teilte uns der neue Studienfreund folgendes mit: Einen Bauschüler der Nienburger Schule möchte der Tennisverein Nienburg nicht in seinen Reihen haben.
Diese Antwort war für uns alle unverständlich und brachte uns in etwas angehobene Stimmung. Nach dem Unterricht versammelten wir uns mit 7- Kollegen von unserem dritten Semester und berieten darüber, was wohl zu tun sei, gegen eine solche Diffamierung. Nach längerer überlegung kamen wir zu folgendem Beschluss. Der Spielplatz des Tennisvereins lag gegenüber unserer Bauschule auf dem heutigen Platz des Finanzamtes. Er hatte zwei Plätze, auf denen je zwei Leute Tennis spielen konnten. Der Belag bestand aus rotem Sand und die Plätze waren mit einem hohen Drahtzaun eingefasst. Diese Plätze mussten unspielbar gemacht werden. Aber wie??? Ich erinnerte mich, dass bei meinem Elternhaus, in einem Stallgebäude, ein Kartoffelanreie Pflug, der per Hand gezogen werden musste, vorhanden war. Wir hatten ihn zuletzt im Jahr 1945 gebraucht.
Diesen Pflug holte ich im Dunkeln, unbemerkt von meiner Mutter, aus dem Stall und trug ihn über den Hafenweg und den Hof der Bauschule zu den Tennisplätzen. Hier warteten 7 Semesterfreunde. Wir verteilten uns als Späher an allen vier Ecken, und ich ging mit einem Kollegen durch eine vorher geöffnete seitliche Tür auf die beiden Tennisplätze.
Nach ca. 20 Minuten harter Pflugarbeit, sahen die beiden Tennisplätze aus wie von Wildschweinen umgegraben. Ich schlich mich im Dunklen wieder ungesehen und ungehört nach Hause und stellte den Pflug, fein gesäubert, wieder an seinen alten Platz. Um 10.00 Uhr erschien in der Bauschule ein Kriminalkommissar der mir bekannt war. Er wollte das Semester über den Vorfall im Tennisverein befragen. Unser Semestersprecher stellte sich vor dem Kriminalbeamten auf und sagte ihm folgendes: Ich habe drei Semester Jura studiert, und wenn Sie einen aus unserem Semester verhören wollen, dann müssen sie ihn schriftlich vorladen. Wir sind hier zum Studieren und haben keine Zeit zum Diskutieren, denn wir sind zum Lernen hier. Der Kripobeamte ging daraufhin wieder. Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr erschien bei mir in der Wohnung derselbe Kriminalbeamte und fragte mich, ob ich etwas über den Vorfall im Tennisverein wüsste. Dies verneinte ich. Ebenfalls war er bei meiner Mutter, um sie zu fragen, ob sie etwas über den Vorfall wüsste. Er fragte weiter, ob sie den alten Kartoffelanreihe Pflug wohl noch hätte und ihm zeigen würde. Meine Mutter ging mit ihm in den Stall und zeigte dem Beamten den Pflug. Nach Aussage meiner Mutter muss er sich den genau angesehen haben. Aber legte ihn danach an seine alte Stelle zurück. Nach einiger Zeit hörten wir, dass der Vorfall nicht weiter verfolgt worden sei. Nach etwa 2 Monaten bekam unser Semesterfreund eine freundliche Einladung vom Nienburger Tennisverein, die er jedoch ablehnte.

Unser Semestersprecher meinte, dass war's denn wohl!!!


Kein Hinweis auf die Baufachschule

Dieser Leser schlägt vor, an der ehemaligen Ingenieurschule für Bauwesen in Nienburg - der jetzigen Polizeiakademie eine Erinnerungstafel anzubringen:
Als Absolventen der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen in Nienburg, Examensjahr 1964, treffen wir uns regelmäßig alle zwei Jahre in Nienburg zum Gedankenaustausch und gemütlichen Beisammensein. Mittlerweile alle Rentner und Pensionäre, vom früheren Semestersprecher Henning Schwarting zusammengehalten, reisen wir fast bundesweit - von Eutin, Hamburg, Hannover und Münster bis nach Kaiserslautern - zu diesem Treffen an. Auch am vergangenen Wochenende trafen sich 15 “Ehemalige” in Nienburg mit ihren Damen.
Der Gang zu unserer früheren “Alma Mater” erfüllte uns dann doch mit einer merkwürdigen Wehmut: Außer eines Schildes “Polizeiakademie Niedersachsen” gab es keinen Hinweis auf die älteste Baufachschule Niedersachsens, die über seine Absolventen ihren Standard weltweit verbreitet und weitervermittelt hat.
Unsere Bitte an die Kulturträger der Stadt. Bitte installieren Sie eine Erinnerungstafel oder ähnliches mit den Eckpunkten unserer Fachhochschule im Bereich der Schule!

Hubert Paul Schütte,
Möhnesee-Günne


Blickpunkt vom 26.08.2009
Lehrjahre im Wirtschaftswunderland

Erinnerungen an die Ausbildung auf dem Bau

Nienburg (ru). Eigentlich hatte sein Vater die Berufswahl schon getroffen. “Als Mitarbeiter des Arbeitsamts in Nienburg hatte er schon alles eingefädelt”, berichtet Klaus Determann. Eine Lehre in einem Kreditinstitut oder bei einer Behörde sollte er nach dem Wunsch seiner Eltern machen. “Da war der Aufschrei vorprogrammiert, als ich den unumstößlichen Wunsch nach einer Maurerlehre bekannt gab”, erinnert sich der 68-jährige Architekt heute. Sein Ziel war schon damals der Besuch der Baugewerksschule am Schlossplatz, die Bauhauptberufslehre war die notwendige Voraussetzung. Der damals knapp 16-jährige setzte sich durch: “Am 1. April 1957 stand ich dann mit grauer Klufthose, grauer Weste und braunem Lederhut beim Baugeschäft Meyn in der Georgstraße, dort wo sich heute das Modehaus “Kolosse” befindet, auf der Matte.” Schnell entwickelte sich aus dem “kleinen dürren Wicht”, beladen durch 50 Kilo-Zementsäcke sowie durch tausend Bück- und Steingriffe schnell ein kräftiger Kerl. Denn maschinelle Hilfsmittel waren auf den Baustellen der Wirtschaftswunderzeit durchaus noch die Ausnahme. Handwerk war echte Knochenarbeit. “Das stärkte das Selbstwertgefühl nun ganz gemein und gepaart mit dem Glorienschein des Klassenbesten in der Berufsschule stand nun einer ganz und gar befriedigenden Lehrzeit nichts im Wege. Die Lehrlingskollegen, allen voran Manfred aus dem Mühlentorsweg, wussten auch die Kontakt zu den fremdartigen Zopfgeschöpfen zu knüpfen, so dass die Normalität in der Wiederaufbauwelt der fünfziger Jahre bestimmend war”, erzählt Determann aus seiner Jugend. Besonders gerne erinnert er sich an die harten Tage auf den Baugerüsten “in der Flucht”, mit bloßem Oberkörper und der Halbliterflasche Bier neben dem Maurerkübel. Aber auch Prügel von den Altgesellen und die Erkenntnis, dass der Polier die Allmacht auf Erden war, gehörten zu den Erfahrungen der Berufsausbildung. “Auf dem Bau in den fünfziger Jahren Lehrling zu sein, war kein Zuckerschlecken.” Selbstverständlich überließen die Gesellen die schmutzigste Arbeit, das Anfeuern des Holzofens in der Frühstücksbaracke und das feierabendliche Reinigen der Arbeitsgeräte den jungen Spunden. “Aber jeder Lehrjunge wusste, dass die Floskel ‘ohne Fleiß kein Preis' damals ernst genommen und akzeptiert wurde.” Besonders viel verlangten die “knallharten Winter” den Lehrlingen auf den Baustellen ab. “Da froren schon die Gliedmaßen bis kurz vor dem Abfallen, wussten die Nasen und Ohren nicht mehr wo sie Schutz finden sollten”, blickt der 68-jährige zurück. “Aber es wurde ja auch immer wieder Feierabend, der mit einer guten Zigarette, sehr zum Unbehagen der Mutter und mit einer oder zwei guten Flaschen Bier mit Bügelverschluss, sehr zum Unbehagen der Mutter, genossen und freudig erlebt wurde.” Erfahrungen, von denen Klaus Determann keine einzige missen möchte. “Jede Schwiele an den Händen und jede Blessur an irgendeinem Körperteil gab ihren Anfangsschmerz als gewollte Erfahrung weiter. Und der Stolz über die mitgeschaffenen Werke ist noch heute bei jeder Besichtigung der ja in der Regel immer noch vorhandenen Gebäude ablesbar.” So war Klaus Determann unter anderem an dem Bau von Kolossa und dem ersten großen Nachkriegsneubaugebiet “Am Ahornbusch” beteiligt. Nach seiner Gesellenprüfung im Jahr 1960 arbeitete er für eine kurze Zeit als Maurergeselle in Osnabrück, bevor er sein Ziel am Schlossplatz endgültig ins Visier nahm und in der Baugewerkschule, der späteren Fachhochschule und heutigen Polizeiakademie sein Studium begann.